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Stuttgarter Weißenhofsiedlung (Bauhaus) – Haus Scharoun

Die Weißenhofsiedlung nahe dem Killesberg in Stuttgart besteht aus 21 Häusern mit insgesamt 63 Wohnungen. Die Siedlung entstand 1927 im Rahmen einer Ausstellung mit dem Titel „Die Wohnung“, die eine moderne Baukunst, den Einsatz neuer Baumaterialien und rationelle Baumethoden präsentierte. Die Häuser errichtete man in nur 21 Wochen Bauzeit. Beteiligt waren namhafte Architekten der Bauhaus-Architektur, darunter Le Corbusier, Gropius, Mies van der Rohe und Scharoun. Architekten aus Stuttgart wurden nicht beachtet, was für harte Kritik sorgte. Paul Bonatz, der Architekt des Stuttgarter Hauptbahnhofs, soll gesagt haben, die Siedlung sehe aus „wie eine Vorstadt Jerusalems“.
Die avantgardistische Bauhaus-Architektur war umstritten. Zum Beispiel an der Weißenhofsiedlung übten vor allem die Nationalsozialisten scharfe Kritik. Sie nannten die Architektur „undeutsch“ oder „entartet“. Nahe der Weißenhofsiedlung ließen sie einen Gegenentwurf in traditioneller, „deutscher“ Bauweise errichten. Während des Zweiten Weltkriegs wurde die Siedlung bei Bombardierungen stark beschädigt. Nach dem Krieg riss man zerstörte Gebäude ab und ersetzte sie durch eher unpassende Bauten. Denn gegen diese Architektur hatte man immer noch Vorbehalte. Erst Ende der Siebzigerjahre gab es Bemühungen, die Siedlung wieder aufzubauen und zu erhalten. Eine Generalsanierung 1981-1987 umfasste den Rückbau von Veränderungen, Renovierung, Modernisierung und Wiederherstellung von Grundrissen. Heute wird vor allem die Rolle der Weißenhofsiedlung beim Aufbruch in die Moderne gesehen. Im Doppelhaus von Le Corbusier wurde 2006 das Weißenhof-Museum eingerichtet. Zusammen mit einem zweiten Weißenhof-Haus und weiteren Bauten von Le Corbusier wurde das Gebäude 2016 zum UNESCO-Weltkulturerbe ernannt.
Der vorliegende Schreiber-Bogen zeigt ein Haus der Weißenhofsiedlung, das der Architekt Hans Scharoun (1893-1972) entwarf, einer der bedeutendsten Vertreter der organischen Architektur. Sein Entwurf fiel durch Kurven und Rundungen auf und unterschied sich damit deutlich von den kubusförmigen Entwürfen der beteiligten Kollegen. Deshalb war erst nicht sicher, ob er in die Planungen aufgenommen werden sollte. Erst spät erhielt Scharoun die Zusage für die Teilnahme am Projekt. Die ungewöhnliche Form des Hauses sorgte auch für öffentliche Kritik. In den Dreißigerjahren nutzten die Nazis ein Foto des Hauses für ihre Propaganda: Auf ein Plakat druckten sie eine Fotomontage eines Kamels und eines Arabers vor dem Scharoun-Haus.
In den zwei Stockwerken des Hauses sind vier Zimmer, Bad und Küche untergebracht. Das Kinderzimmer ist in zwei Bereiche unterteilbar. Im Wohn- und Esszimmer war früher ein besonderer Bereich für Kinder vorgesehen. Unter der Treppe ins Obergeschoss befand sich früher eine Kammer für eine Hausangestellte. Noch heute ist das Scharoun-Haus bewohnt. Die Mieter mussten sich bei der Gestaltung und Einrichtung ihres Hauses an genaue Vorgaben des Amts für Denkmalpflege halten.




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